Die rechten Finnen?

Wie einige von euch sicher wissen, hege ich eine recht große Sympathie für Skandinavien und insbesondere für Finnland; und sah mich infolge der negativen Berichterstattung zu deren Parlamentswahlen das ein oder andere mal mit Aussagen konfrontiert, deren gemeinsamer Nenner oftmals war: “in Finnland regieren jetzt die Nazis”.

Ein Grund hierfür liegt wohl Großteils schon im schlecht/schlampig übersetztem Parteinamen der “Perussuomalaiset“. Der Name setzt sich – typisch finnisch – aus mehreren “Grundwörtern” zusammen. Fangen wir mal mit dem Einfacherem an: “Suomalaset” ist die Bezeichnung, wie sich die Finnen im finnischem “Kernland” (im Vergleich zu Lappland, etc) selbst nennen. Doch interessanter ist das vorangestellt “Perus”, welches mit “Wahre [Finnen]” nur bedingt übersetzten lässt. Die Bedeutung ist eher als “bodenständig”, “grundsolide” oder einfacher “Basis” zu verstehen, was dem übersetztem Parteinamen schon einen ganz neuen Touch verleiht, wenn man “Basisfinnen” anstelle “Wahre Finnen” nimmt. (Quelle)

Auch aus wirtschaftlicher und historischer Sicht, ist es aus Sicht der Finnen nachzuvollziehen, dass man gegen die Hilfszahlungen der EU stimmt und Finnland nicht “für die Fehler anderer bezahlt” (Parteichef Timo Soini). Übrigens ein Fakt, den auch deren Sozialdemokraten fordern; zwar nicht so rasch wie die “Perussuomalaiset“, aber trotzdem als wichtiger Punkt des Parteiprogramms.
Finnland stand Ende der 90er Jahre vor den ähnlichen Problemen wie heute Griechenland oder Portugal: Als die Sowietunion als wichtiger Wirtschaftspartner wegfiel, hatte man auch mit einem extremen Anstieg der Arbeitslosigkeit und Inflation der Finnmark zu kämpfen. Welche aber nur mit obligatorischen Hilfszahlungen (hier schwanken die Angaben zwischen 5% und 20% der benötigten Gesamtmenge) gedeckt wurden und deswegen mit selbst auferlegten Einsparungen (u.a. massiver Privatisierung von Staatsinstitutionen, ) und Investitionen in Forschung und Bildung aufgefangen wurde.
Diese wirtschaftliche Umstrukturierung hat sich bis heute für Finnland ausgezahlt. So hatten selbst in der globalen Wirtschaftskrise 2009 die Kennzahlen der finnischen Wirtschaft (BIP, Inflationsrate, etc.) keine negativen Zahlen zu verzeichnen; höchstens ein Stagnieren auf dem Vorjahreswert (Quelle)

Als Fazit möchte ich – aufgrund des Inhalts und Übereintreffen meiner persönlichen Einschätzung, die ich nur schwer besser formulieren könnte – die Zeit Online zitieren:
“Die 19 Prozent, […] stehen also für ein neues, Lagerübergreifende politisches Motiv. Sie stehen für einen Unmut, für ein Rest-Unverständnis, das die Menschen bei allem guten Willen für die europäische Integration mit der Art und Weise befällt, wie diese EU funktioniert. Oder fehlfunkioniert. Es sind 19 Prozent, die nicht glauben wollen, dass die gegenwärtige Art von Europapolitik “alternativlos” ist. Solche Skepsis ist nicht demokratiefeindlich. Im Gegenteil. Von Zweifeln wie diesen leben europäische Demokratien.” (Quelle)

 

WICHTIG: Ich möchte hier keinesfalls rechtsextremes Gedankengut unterstützen und distanziere mich 100%ig davon.
Doch ich denke es ist wichtig, dass das doch sehr negative Medienbild, das zurzeit über Finnland herrscht, etwas richtiggestellt wird.

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